Mittwoch, 20. November 2019

Die Wache („The Watch“) nach Terry Pratchett


Ich habe nicht viel zu der Besetzung der geplanten BBC-Serie über die Wache von Ankh-Morpork gelesen, aber über einen Punkt bin ich gestolpert: Lord Vetinari soll von einer Frau gespielt werden. Und wenn ich mir die Schauspielerin ansehe, soll das keine Hosenrolle (also Mann von Frau gespielt) sein, sondern es soll einen weiblichen Vetinari geben.

Richard Dormer (Beric Dondarion aus Game of Thrones) als Sam Mumm, nichts dagegen einzuwenden. Adam Hugill als Karotte Eisengießersohn bringt die richtige Mischung aus Naivität und Präsenz für die Rolle mit. Die Casting-Verantwortlichen können also grundsätzlich ihren Job. Warum muss dann eine der ikonischsten Figuren aus dem Pratchett-Universum gendergebendet werden?

Es ist ja nicht so, daß Pratchett keine starken weiblichen Charaktere geschrieben hätte. Alleine im Zusammenhang der Wache kommt einem Lady Sybil in den Sinn. Auch die Hexen und Susanne Sto Helit sind starke Frauen, die Pratchett nicht in Abhängigkeit von einem Mann stark gemacht hat.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum ikonische Charaktere geschlechtsgewandelt werden müssen. Soll das die Sache des Feminismus voranbringen? Tut es nicht. Mit unpopulären Aktionen gewinnt man keine Mehrheiten. Mich persönlich erreicht man nicht, indem man fordert, der nächste James Bond muss weiblich sein (davon, daß er schwarz sein muss, will ich gar nicht erst anfangen, obwohl ich Idris Elba schätze). Es wäre der Sache hilfreicher, starke neue Charaktere für weibliche Schauspieler zu erschaffen, statt vorhandene, etablierte Charaktere umzuwandeln.

Lasst bestehende Charaktere am Leben und schlachtet sie nicht durch künstliche Geschlechtsumwandlungen ab und schreibt lieber neue Story und neue Charaktere, damit weibliche Helden in den Vordergrund treten. Marvel kann es ja auch…

Umgekehrt finde ich es genauso beknackt. Grinsi Kleinpo soll von Jo Eaton-Kent gespielt werden. Das ist ein weiblicher Charakter. In seiner Eigenart als Zwerg kann man den Charakter mit etwas Zugeständnis als non-binary bezeichnen, weibliche Zwerge haben bei Pratchett auch einen Bart, der ist nur ein wenig seidiger, als der männlicher Zwerge, aber warum kann nicht eine Frau die Rolle spielen? Warum muss das ein Mann spielen?

Und damit man mich vollends des „mimimimimi“ bezichtigen kann: Lara Rossi als Lady Sybil und Marama Corlett als Feldwebel Angua wären auch nicht meine erste Wahl gewesen.
Meine Vorfreude auf „Die Wache“ ist erstmal deutlich gedämpft worden.

Freitag, 15. November 2019

Russian Doll

Dark Fantasy vom Feinsten.

Nadia Vulvokov muss ihren 36. Geburtstag "ertragen" den ihre oberflächliche Freundin ihr ausrichtet. Sie entschließt sich zu einem One-Night-Stand mit einem Fremden und nimmt ihn mit nach Hause.
Nach einigen Verwirrungen kommt sie auf skurrile Weise zu Tode, nur um auf der Party wieder in der Situation aus der Eingangsszene aufzuwachen.

Dies wird ihr noch einige Male passieren, während sie versucht herauszufinden, was eigentlich los ist.

Während sie die Zyklen durchläuft, lernt sie, mit ihrer Vergangenheit und der früh verstorbenen Mutter zurechtzukommen und trifft schließlich einen Mann, der genau in der gleichen Situation ist, wie Nadia.

Die beiden erkennen, das sie sich nur gegenseitig helfen können, aus der Situation zu entkommen.

Natasha Lyonne hat die Serie produziert und hat selbst die Hauptrolle gespielt.

Bislang gibt es eine Staffel auf Netflix. Sie könnte so stehenbleiben und ist absolut sehenswert!

Montag, 4. November 2019

The Blues Brothers


Zugegebenermaßen ein älterer Film, aber ich bin neulich mal wieder darauf gekommen, mir den anzusehen.
Entstanden aus einer Sketchreihe der Saturday-Night-Live-Show, geschrieben und entwickelt vom Blues-Afficionado Dan Aykroyd, versammelt der Film alles, was Rang und Namen in der Blues-Szene seiner Zeit hat zu einem wilden Ritt durch Chicago und das Umland.
Auch schauspielerisch hochkarätig besetzt, Frank Oz, Carrie Fisher, Twiggy, John Candy und natürlich Dank Aykroyd als Elwood und John Belushi als „Joliet“ Jake Blues machen den Film absolut sehenswert.
Die eingängige Rythm and Blues Musik, zum Teil live eingespielt, weil John Lee Hooker und James Brown nicht zu ihren Aufnahmen Playback spielen wollten, ist auch auf dem Soundtrack immer wieder hörenswert.
Die Umsetzung der schrägen Abenteuer vom Medium Fernsehsketch zum Medium Kinofilm gelingt, es gibt keine Längen, keine unnötigen Albernheiten oder Rahmenhandlungen. Der Zuschauer begleitet die Blues Brothers einfach auf ihrer göttlichen Mission, die alte Band wieder zusammenzustellen, um die Steuerschulden des Waisenhauses, in dem sie aufgewachsen sind, zu tilgen. Dabei haben sie mit der Polizei, einer sitzengelassenen Ex, Nazis und schließlich mit der Nationalgarde zu tun.
Aykroyd hat hier also beim Schreiben nicht lediglich die Geschichte entwickelt, sondern gleichzeitig den gesamten Hintergrund der Band geschrieben.
Ganz klar zu empfehlen auch hier wieder die Originalfassung, die deutsche Synchro konnte es mal wieder nicht lassen, eigenen „Humor“ einzubringen, der wie so oft vollkommen überflüssig ist.
Gehört in jede Sammlung!

„Shit!“
„What?!“
„Rollers!“
„No!“
„Yeah!“
„Shit!“