Spoilerwarnung!
Nee, im Ernst: SPOILERWARNUNG.
So, Freunde. Es wird kontrovers!
Ich habe viele Äußerungen gelesen von Personen, die den Film schlecht fanden. Ich fand ihn gut. So.
Einziger Kritikpunkt von mir ist die aufgeregte Erzählweise. Handwerklich läßt der Film grade im ersten Teil zu wünschen übrig und das konnte unsen JJ schon mal besser. Wenigstens wackelte die Kamera nicht dauernd und die Lensflares waren auch im Rahmen.
Aber inhaltlich: OK, das Machtgeister bisher die reale Welt nicht manipulieren konnten (oder wollten?) mag ja sein. Aber von was reden wir konkret: das war Lukes verficktes eigenes Lichtschwert. Und das Schiff hat er selber da versteckt, und hatte wahrscheinlich Jahre Zeit, das Versteck zu fühlen! Mag sein, daß das Schiff ein bisschen mehr als Spucke und n Handtuch brauchen würde, um wieder flugfähig zu werden, andererseits ist das ein Kampfraumschiff. Die Bedingungen im All und im Raumkampf sind mal zwei drei Hausnummern härter, als die unter Wasser. Gleiches gilt für das Schiff in der Wüste, das war nicht mal unter Wasser.
Was das Überlichtfliegen in Atmosphären angeht, gut der Falke hat schon heftig drunter gelitten also Konsequenzen hatte das. Sicher auch hier ein bisschen sehr drüber weggegangen, aber das sehe ich eher wieder als handwerkliche Fehler, weniger als inhaltliche.
Das Finale fand ich einfach großartig. Die Sith haben schon immer mehr von ihrer Macht gezeigt als die Jedi, das bedeutet aber nicht, das die Jedi weniger mächtig sind. Yoda hat Palpatine schon mal die Stirn geboten und knapp verloren und die Idee mit dem Zweiklang der Macht, das Skywalker und Palpatine bilden, finde ich auch gut und das war dann die Machtquelle für den Uber Imperator der eine ganze Flotte in Bedrängnis bringt.
Und was die Aussage angeht, es wäre alles immer wieder die gleiche Story. Erstens, jap der ewige Kampf zwischen gut und böse. Zweitens ist Star Wars eine Ringerzählung, die Handlung bewegt sich in Kreisen. Ich hatte dazu mal einen schönen Text gefunden, den muss ich mal raussuchen und nachliefern.
So. Merkt man, daß ich die Filme am besten kenne und die Serien nur ansatzweise und alle Sekundärliteratur gar nicht?
Damit einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr!
Dienstag, 31. Dezember 2019
Mittwoch, 20. November 2019
Die Wache („The Watch“) nach Terry Pratchett
Ich habe nicht viel zu der Besetzung der geplanten BBC-Serie
über die Wache von Ankh-Morpork gelesen, aber über einen Punkt bin ich
gestolpert: Lord Vetinari soll von einer Frau gespielt werden. Und wenn ich mir
die Schauspielerin ansehe, soll das keine Hosenrolle (also Mann von Frau
gespielt) sein, sondern es soll einen weiblichen Vetinari geben.
Richard Dormer (Beric Dondarion aus Game of Thrones) als Sam
Mumm, nichts dagegen einzuwenden. Adam Hugill als Karotte Eisengießersohn
bringt die richtige Mischung aus Naivität und Präsenz für die Rolle mit. Die
Casting-Verantwortlichen können also grundsätzlich ihren Job. Warum muss dann
eine der ikonischsten Figuren aus dem Pratchett-Universum gendergebendet
werden?
Es ist ja nicht so, daß Pratchett keine starken weiblichen
Charaktere geschrieben hätte. Alleine im Zusammenhang der Wache kommt einem
Lady Sybil in den Sinn. Auch die Hexen und Susanne Sto Helit sind starke
Frauen, die Pratchett nicht in Abhängigkeit von einem Mann stark gemacht hat.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum ikonische Charaktere
geschlechtsgewandelt werden müssen. Soll das die Sache des Feminismus
voranbringen? Tut es nicht. Mit unpopulären Aktionen gewinnt man keine
Mehrheiten. Mich persönlich erreicht man nicht, indem man fordert, der nächste
James Bond muss weiblich sein (davon, daß er schwarz sein muss, will ich gar
nicht erst anfangen, obwohl ich Idris Elba schätze). Es wäre der Sache hilfreicher,
starke neue Charaktere für weibliche Schauspieler zu erschaffen, statt
vorhandene, etablierte Charaktere umzuwandeln.
Lasst bestehende Charaktere am Leben und schlachtet sie
nicht durch künstliche Geschlechtsumwandlungen ab und schreibt lieber neue
Story und neue Charaktere, damit weibliche Helden in den Vordergrund treten.
Marvel kann es ja auch…
Umgekehrt finde ich es genauso beknackt. Grinsi Kleinpo soll
von Jo Eaton-Kent gespielt werden. Das ist ein weiblicher Charakter. In seiner
Eigenart als Zwerg kann man den Charakter mit etwas Zugeständnis als non-binary
bezeichnen, weibliche Zwerge haben bei Pratchett auch einen Bart, der ist nur
ein wenig seidiger, als der männlicher Zwerge, aber warum kann nicht eine Frau
die Rolle spielen? Warum muss das ein Mann spielen?
Und damit man mich vollends des „mimimimimi“ bezichtigen
kann: Lara Rossi als Lady Sybil und Marama Corlett als Feldwebel Angua wären
auch nicht meine erste Wahl gewesen.
Meine Vorfreude auf „Die Wache“ ist erstmal deutlich
gedämpft worden.
Freitag, 15. November 2019
Russian Doll
Dark Fantasy vom Feinsten.
Nadia Vulvokov muss ihren 36. Geburtstag "ertragen" den ihre oberflächliche Freundin ihr ausrichtet. Sie entschließt sich zu einem One-Night-Stand mit einem Fremden und nimmt ihn mit nach Hause.
Nach einigen Verwirrungen kommt sie auf skurrile Weise zu Tode, nur um auf der Party wieder in der Situation aus der Eingangsszene aufzuwachen.
Dies wird ihr noch einige Male passieren, während sie versucht herauszufinden, was eigentlich los ist.
Während sie die Zyklen durchläuft, lernt sie, mit ihrer Vergangenheit und der früh verstorbenen Mutter zurechtzukommen und trifft schließlich einen Mann, der genau in der gleichen Situation ist, wie Nadia.
Die beiden erkennen, das sie sich nur gegenseitig helfen können, aus der Situation zu entkommen.
Natasha Lyonne hat die Serie produziert und hat selbst die Hauptrolle gespielt.
Bislang gibt es eine Staffel auf Netflix. Sie könnte so stehenbleiben und ist absolut sehenswert!
Nadia Vulvokov muss ihren 36. Geburtstag "ertragen" den ihre oberflächliche Freundin ihr ausrichtet. Sie entschließt sich zu einem One-Night-Stand mit einem Fremden und nimmt ihn mit nach Hause.
Nach einigen Verwirrungen kommt sie auf skurrile Weise zu Tode, nur um auf der Party wieder in der Situation aus der Eingangsszene aufzuwachen.
Dies wird ihr noch einige Male passieren, während sie versucht herauszufinden, was eigentlich los ist.
Während sie die Zyklen durchläuft, lernt sie, mit ihrer Vergangenheit und der früh verstorbenen Mutter zurechtzukommen und trifft schließlich einen Mann, der genau in der gleichen Situation ist, wie Nadia.
Die beiden erkennen, das sie sich nur gegenseitig helfen können, aus der Situation zu entkommen.
Natasha Lyonne hat die Serie produziert und hat selbst die Hauptrolle gespielt.
Bislang gibt es eine Staffel auf Netflix. Sie könnte so stehenbleiben und ist absolut sehenswert!
Montag, 4. November 2019
The Blues Brothers
Zugegebenermaßen ein älterer Film, aber ich bin neulich mal
wieder darauf gekommen, mir den anzusehen.
Entstanden aus einer Sketchreihe der
Saturday-Night-Live-Show, geschrieben und entwickelt vom Blues-Afficionado Dan
Aykroyd, versammelt der Film alles, was Rang und Namen in der Blues-Szene
seiner Zeit hat zu einem wilden Ritt durch Chicago und das Umland.
Auch schauspielerisch hochkarätig besetzt, Frank Oz, Carrie
Fisher, Twiggy, John Candy und natürlich Dank Aykroyd als Elwood und John
Belushi als „Joliet“ Jake Blues machen den Film absolut sehenswert.
Die eingängige Rythm and Blues Musik, zum Teil live
eingespielt, weil John Lee Hooker und James Brown nicht zu ihren Aufnahmen
Playback spielen wollten, ist auch auf dem Soundtrack immer wieder hörenswert.
Die Umsetzung der schrägen Abenteuer vom Medium
Fernsehsketch zum Medium Kinofilm gelingt, es gibt keine Längen, keine
unnötigen Albernheiten oder Rahmenhandlungen. Der Zuschauer begleitet die Blues
Brothers einfach auf ihrer göttlichen Mission, die alte Band wieder
zusammenzustellen, um die Steuerschulden des Waisenhauses, in dem sie
aufgewachsen sind, zu tilgen. Dabei haben sie mit der Polizei, einer
sitzengelassenen Ex, Nazis und schließlich mit der Nationalgarde zu tun.
Aykroyd hat hier also beim Schreiben nicht lediglich die
Geschichte entwickelt, sondern gleichzeitig den gesamten Hintergrund der Band
geschrieben.
Ganz klar zu empfehlen auch hier wieder die Originalfassung,
die deutsche Synchro konnte es mal wieder nicht lassen, eigenen „Humor“
einzubringen, der wie so oft vollkommen überflüssig ist.
Gehört in jede Sammlung!
„Shit!“
„What?!“
„Rollers!“
„No!“
„Yeah!“
„Shit!“
Sonntag, 11. August 2019
Nächstenliebe
Charité - Staffel 2
Die zweite Staffel der deutschen Serie über das berühmte Berliner Krankenhaus spielt sich im zweiten Weltkrieg ab, als Professor Sauerbruch hier tätig war.
Sie endet mit dem Ende des zweiten Weltkrieges.
Sehr geschickt wird wieder die Arbeit in einem Krankenhaus im Rahmen des jeweiligen Entwicklungsstandes der Medizin einerseits und des Zeitalters andererseits dargestellt.
Der lange Arm der Nazis reicht natürlich in den Klinikalltag hinein und alle Stufen der Nazifizierung werden gezeigt: die glühenden Anhänger, die aktiven Widerständler und die indifferenten, die in der Mitte, die sich teils selbst in die Tasche lügen oder irgendwann ihre Fehler erkennen und bereuen.
Das Grauen des Krieges wird am eindrucksvollsten durch zwei Pimpfe dargestellt, die auf ihrer Patrouille einen Blindgänger finden. Wie Jungs nun mal sind stochern sie mit einem Stock daran herum.
Die unausweichliche Explosion erlebt der Zuschauer nur aus der Ferne, verdeckt durch ein geparktes Auto.
Hinterher liegt einer der Jungs blutverschmiert bei Sauerbruch auf dem Tisch. Der andere hat es nicht geschafft, erfährt man dann später nebenbei.
Herausragend spielt Ulrich Noethen den großen Sauerbruch. Medizinisch hat er Geschickte geschrieben und gilt als der größte deutsche Mediziner des 20. Jahrhunderts. Der Grad seiner Nazifizierung ist umstritten, er hat Posten und Ehrungen der Nazis angenommen und andererseits die Verschwörer um Stauffenberg zumindest indirekt unterstützt, wurde in diesem Zusammenhang auch mehrfach verhört. Dies alles wird in der Staffel dargestellt, relativ ausgewogen, eine Tendenz den Mediziner als Nicht-Nazi darzustellen, ist vorhanden.
Primär jedoch wird er als der geniale und einflussreiche Mediziner dargestellt, der er war. Sein empörtes "ICH BIN SAUERBRUCH!" bringt sogar die Rotarmisten zur Räson.
Absolut empfehlenswerte Serie.
Die zweite Staffel der deutschen Serie über das berühmte Berliner Krankenhaus spielt sich im zweiten Weltkrieg ab, als Professor Sauerbruch hier tätig war.
Sie endet mit dem Ende des zweiten Weltkrieges.
Sehr geschickt wird wieder die Arbeit in einem Krankenhaus im Rahmen des jeweiligen Entwicklungsstandes der Medizin einerseits und des Zeitalters andererseits dargestellt.
Der lange Arm der Nazis reicht natürlich in den Klinikalltag hinein und alle Stufen der Nazifizierung werden gezeigt: die glühenden Anhänger, die aktiven Widerständler und die indifferenten, die in der Mitte, die sich teils selbst in die Tasche lügen oder irgendwann ihre Fehler erkennen und bereuen.
Das Grauen des Krieges wird am eindrucksvollsten durch zwei Pimpfe dargestellt, die auf ihrer Patrouille einen Blindgänger finden. Wie Jungs nun mal sind stochern sie mit einem Stock daran herum.
Die unausweichliche Explosion erlebt der Zuschauer nur aus der Ferne, verdeckt durch ein geparktes Auto.
Hinterher liegt einer der Jungs blutverschmiert bei Sauerbruch auf dem Tisch. Der andere hat es nicht geschafft, erfährt man dann später nebenbei.
Herausragend spielt Ulrich Noethen den großen Sauerbruch. Medizinisch hat er Geschickte geschrieben und gilt als der größte deutsche Mediziner des 20. Jahrhunderts. Der Grad seiner Nazifizierung ist umstritten, er hat Posten und Ehrungen der Nazis angenommen und andererseits die Verschwörer um Stauffenberg zumindest indirekt unterstützt, wurde in diesem Zusammenhang auch mehrfach verhört. Dies alles wird in der Staffel dargestellt, relativ ausgewogen, eine Tendenz den Mediziner als Nicht-Nazi darzustellen, ist vorhanden.
Primär jedoch wird er als der geniale und einflussreiche Mediziner dargestellt, der er war. Sein empörtes "ICH BIN SAUERBRUCH!" bringt sogar die Rotarmisten zur Räson.
Absolut empfehlenswerte Serie.
Sonntag, 24. März 2019
"Last time I trusted someone, I lost an eye."
Captain Marvel
Disclaimer: ich schreibe dies als ausgewiesener NICHT-Kenner der Comics und MCU-Fanboy.
Ich fand den Film super! Ich habe auch kein Problem mit Brie Larson in der Titelrolle, ich fand es stimmig und gut umgesetzt.
Spätestens nach der Mid-Credit Szene in Infinity War, als Fury den Pager aktiviert hat, war klar, wer da noch zum MCU stoßen würde. Also war ja auch klar, das noch ein Origin-Film benötigt wurde, bevor das Endgame starten konnte.
Da Endgame ja auch noch in diesem Fühjahr kommen wird, war es schon ambitioniert, hier noch den Captain Marvel Origin-Film "reinzudrücken", das hätte auch gewaltig in die Hose gehen können.
Ist es aber nicht. Schlauerweise haben die Schreiber gleich auch noch eine Art Origin-Film für Nick Fury, Agent Coulson und S.H.I.E.L.D. daraus gemacht. Das hat das Ganze wunderbar abgerundet.
Ein reiner Captain Marvel Origin-Film ohne die Einbettung in das S.H.I.E.L.D.-Gefüge wäre meiner Meinung nach nach hinten losgegangen und hätte den Vorwurf der Geldmacherei gerechtfertigt.
Nun ist es wieder meiner Unkenntnis der Comics geschuldet, daß ich bei "Kree" nicht gleich auf Ronan den Accuser aus Guardians of the Galaxy gekommen bin, da brauchte es wieder Holzhammer-Methoden, bis ich das kapiert habe.
Dadurch wurde der Film aber auch wieder zu einer, wie ich finde, guten Geschichte zum Thema Katharsis, auch wenn das Thema, dem Medium und den Umständen geschuldet, eher knapp ausfallen musste, aber auch in dieser Knappheit finde ich es überzeugend.
Die Kree sind, trotz der aus Guardians bekannten Geschichte, hier erstmal die "Guten" und kämpfen für eine aus ihrer Sicht gerechte Sache gegen einen "bösen" Feind. Zusammen mit Vers erfährt der Zuschauer den Hintergrund ihrer Erinnerungsfetzen und lernt den vermeintlich "bösen" Gegner besser kennen. Zusammen mit Carol Denvers schlägt sich der Zuschauer auf die Seite von Mar Vel und dem "bösen" Feind.
Die Skrulls werden erfrischend "unalienhaft", trotz "Dunkelelfbadboy"-Maske dargestellt. Zugegeben, damit wird die Erkenntnis "nichts ist so, wie es von außen scheint" wirklich mit dem Holzhammer ausgeteilt, aber das macht sie nicht weniger wahr. Die Diskussionen des Skrull-Anführers mit seinen Leuten sind köstlich. "Du bist doch der Wissenschaftler hier!" Einmal mehr freue ich mich auf die DVD, um das im Original zu hören, mal davon abgesehen, daß die Synchron-Stimme von Jude Law mal so gar nicht geht...
Für mich ein gelungener Bestandteil des MCU und ein Film, der auch Stand-Alone für nicht-Comic-Fans einwandfrei funktioniert.
Und wenn Marvel eins kann, dann Humor. Eine Katze, die in der End-Credit-Szene den Tesseract auskotzt? Wie geil ist das denn, bitte??
Disclaimer: ich schreibe dies als ausgewiesener NICHT-Kenner der Comics und MCU-Fanboy.
Ich fand den Film super! Ich habe auch kein Problem mit Brie Larson in der Titelrolle, ich fand es stimmig und gut umgesetzt.
Spätestens nach der Mid-Credit Szene in Infinity War, als Fury den Pager aktiviert hat, war klar, wer da noch zum MCU stoßen würde. Also war ja auch klar, das noch ein Origin-Film benötigt wurde, bevor das Endgame starten konnte.
Da Endgame ja auch noch in diesem Fühjahr kommen wird, war es schon ambitioniert, hier noch den Captain Marvel Origin-Film "reinzudrücken", das hätte auch gewaltig in die Hose gehen können.
Ist es aber nicht. Schlauerweise haben die Schreiber gleich auch noch eine Art Origin-Film für Nick Fury, Agent Coulson und S.H.I.E.L.D. daraus gemacht. Das hat das Ganze wunderbar abgerundet.
Ein reiner Captain Marvel Origin-Film ohne die Einbettung in das S.H.I.E.L.D.-Gefüge wäre meiner Meinung nach nach hinten losgegangen und hätte den Vorwurf der Geldmacherei gerechtfertigt.
Nun ist es wieder meiner Unkenntnis der Comics geschuldet, daß ich bei "Kree" nicht gleich auf Ronan den Accuser aus Guardians of the Galaxy gekommen bin, da brauchte es wieder Holzhammer-Methoden, bis ich das kapiert habe.
Dadurch wurde der Film aber auch wieder zu einer, wie ich finde, guten Geschichte zum Thema Katharsis, auch wenn das Thema, dem Medium und den Umständen geschuldet, eher knapp ausfallen musste, aber auch in dieser Knappheit finde ich es überzeugend.
Die Kree sind, trotz der aus Guardians bekannten Geschichte, hier erstmal die "Guten" und kämpfen für eine aus ihrer Sicht gerechte Sache gegen einen "bösen" Feind. Zusammen mit Vers erfährt der Zuschauer den Hintergrund ihrer Erinnerungsfetzen und lernt den vermeintlich "bösen" Gegner besser kennen. Zusammen mit Carol Denvers schlägt sich der Zuschauer auf die Seite von Mar Vel und dem "bösen" Feind.
Die Skrulls werden erfrischend "unalienhaft", trotz "Dunkelelfbadboy"-Maske dargestellt. Zugegeben, damit wird die Erkenntnis "nichts ist so, wie es von außen scheint" wirklich mit dem Holzhammer ausgeteilt, aber das macht sie nicht weniger wahr. Die Diskussionen des Skrull-Anführers mit seinen Leuten sind köstlich. "Du bist doch der Wissenschaftler hier!" Einmal mehr freue ich mich auf die DVD, um das im Original zu hören, mal davon abgesehen, daß die Synchron-Stimme von Jude Law mal so gar nicht geht...
Für mich ein gelungener Bestandteil des MCU und ein Film, der auch Stand-Alone für nicht-Comic-Fans einwandfrei funktioniert.
Und wenn Marvel eins kann, dann Humor. Eine Katze, die in der End-Credit-Szene den Tesseract auskotzt? Wie geil ist das denn, bitte??
Dienstag, 19. März 2019
Gib der Welt ein freundliches „Fick Dich!“
Es gibt ein geflügeltes Wort unter Schauspielern, daß die
Komödie viel schwieriger zu spielen sei, als die Tragödie, weil es viel mehr
auf das Timing ankommt.
Wenn also ein sehr guter Komödiant ins ernste Fach wechselt,
sollte man sich das tunlichst nicht entgehen lassen.
Ricky Gervais, der unter anderem „The Office“, also das
britische Original von „Stromberg“ geschrieben hat, hat nun gewechselt und mit
der Netflix-Serie „After Life“ etwas Großes geschaffen.
Gervais spielt Tony Johnson, einen Redakteur einer kleinen
Lokalzeitung, dessen Frau vor Kurzem an Krebs verstorben ist und der nun allein
und deprimiert in seinem Haus sitzt und zunächst nur von der Sorge um seinen
Hund vom Selbstmord abgehalten wird.
So entschließt er sich, die Welt für die Ungerechtigkeit
(den Tod seiner über alles geliebten Frau) zu bestrafen, indem er tut und vor
allem sagt, was immer er will. Er betrachtet dies als eine Art Superkraft, denn
nichts kann ihm etwas anhaben und letztlich bleibt immer noch der Selbstmord,
wenn nichts Anderes mehr geht.
Zwischen seinen Begegnungen mit allen möglichen skurrilen
Personen kommt immer wieder seine Frau zu Wort in Form eines Videos, was sie
vor ihrem Tod aufgezeichnet hat. Hier gibt sie ihrem Mann wertvolle Tipps für
seinen Alltag. Sie weiß eben, daß er wie jeder Ehemann, alleine nicht mehr
zurechtkommt und daran erinnert werden muss, Hundefutter zu kaufen und das
Geschirr zu spülen.
Sein Umfeld begegnet ihm teils hilflos (seine Kollegen),
teils naiv (sein kleiner Neffe) und teils ehrlich bemüht, ihn wieder aufzubauen
(sein Schwager, gleichzeitig sein Chef, der neben dem Verlust seiner Schwester
auch eine Ehekrise bewältigen muss).
Dazwischen skurrile britische Kleinstadtgestalten, die im
Rahmen seiner Tätigkeit trifft. Leute, die alles tun um einmal in der Zeitung
stehen. Zum Beispiel ein Ehepaar, das behauptet, ihr Kind sehe aus wie Hitler.
An der gnadenlosen Haltung Johnsons scheitert dies. „Sie haben Ihr Kind wie
Hitler angezogen und ihm einen Bart aufgemalt!“
Letztlich sieht Johnson jedoch ein, daß Misanthropie nicht
der einzige Weg ist, mit dem Leben klarzukommen.
Die erste Staffel ist so gut abgerundet und erzählt, daß man
sich fragt, ob eine zweite wirklich Sinn macht. Bislang gibt es keine Ankündigung
dazu und es wäre auch OK, das so stehenzulassen.
Fazit: absolut sehenswert!
“And don’t forget to feed the dog.”
Mittwoch, 13. März 2019
„Because I bloody well stammer!“
The King’s Speech
George VI von England, Vater der jetzigen Königin Elizabeth,
litt unter Stottern und konnte kaum einen Satz herausbringen, ohne auffallend
stark zu stottern.
Da durch seine unerwartete Krönung zum König weitere Reden
in seiner Zukunft zu erwarten sind, wendet er sich an den Sprachtrainer Lionel
Logue. Seine bisher behandelnden Ärzte wussten kaum bessere Ratschläge als
Zigarettenrauchen, um die Halsmuskulatur zu entspannen.
Logues unkonventionelle Herangehensweise schreckt den
künftigen Monarchen zunächst ab, zeigt aber schnell erste Erfolge.
Letztlich kommt zwar keine schnelle und komplette Heilung zu
Stande, es entwickelt sich jedoch eine Freundschaft zwischen den beiden Männern
die ihr Leben lang halten wird.
Queen Elizbeth, The Queen Mother, hatte sich zeitlebens
dagegen gewehrt, daß der Stoff verfilmt wird, bzw. gebeten, damit bis nach
ihrem Tod zu warten. Einerseits verständlich, andererseits wie ich finde unbegründet.
Die Darstellung der historischen Figuren kann nicht anders als liebevoll
bezeichnet werden.
Sicherlich mit einiger künstlerischen Freiheit und allzu
kontroverse Themen meidend. Edward VIII und seine Liebe Wallis Simpson werden,
um des dramatischen Effekts Willen, feindseliger dargestellt, als sie es
tatsächlich waren und die Nähe Edwards zu den Nazis wurde komplett
ausgeblendet, aber es geht ohnehin hauptsächlich um George VI und Lionel.
Zwischen diesen beiden, beide Rollen hervorragend dargestellt
von Colin Firth als George und Geoffrey Rush als Lionel, wirkt der Film
streckenweise wie ein Kammerspiel mit zwei Personen. In der Tat hätte der Film
auch als solches funktioniert. Aber auf Helena Bonham Carter als Queen
Elizabeth z. B. würde man sicher nicht verzichten wollen.
Colin Firth spielt den stotternden König unverkrampft und
mit einer Leichtigkeit, die grade den Sprachfehler sehr realistisch wirken
lässt. Fast schon Method-Acting. Und in der Tat hat Firth später in einem
Interview gesagt, er hätte danach einige Zeit sehr konzentriert sprechen
müssen, um nicht auch privat ins Stottern zu verfallen.
Bei Geoffrey Rush kann man die schauspielerische Qualität
nicht zuletzt daran messen, wie sehr sich sein Lionel Logue von seinen anderen
Charakteren unterscheidet. Wenn man, trotz einem sehr markanten Gesicht,
nachschlagen muss, um die Verbindung zu Captain Barbossa herzustellen, spricht
das eindeutig für die Leistung.
Bei diesem Film verbietet es sich gradezu, eine
snyhronisierte Fassung anzusehen. Colin Firth im Original mit seiner eigenen
Stimme ist immer wieder ein Genuß, und diesem sollte man sich insbesondere hier
nicht entgehen lassen.
Auch optisch ist der Film ein Leckerbissen. Die Atmosphäre Englands zwischen den Weltkriegen wird kunstvoll dargestellt. Ein sehr eindrucksvoller Kniff ist es, den König bei der ersten Sitzung bei Logue in einer Totale ganz am Bildschirmrand, an eine Sofalehne gedrückt, mit geschlossener Körpersprache zu zeigen, eindrucksvoll die Eingrenzung durch den übermächtigen Sprachfehler zeigend.
Donnerstag, 7. März 2019
"And I thougt, you were the smart one..."
The Umbrella Academy
Ein exzentrischer Billionär, eine Gruppe exterm unerwartet geborener Kinder und ein Herrenhaus in einer amerikanischen Stadt.
Dazu ein Schimpanse als Faktotum und ein Android als Nanny und fertig ist eine äußerst interessante Mischung von Charakteren.
Glücklicherweise kommt hier noch handwerkliches Können und Telent zum Schreiben dazu.
Daraus wird eine äußerst Unterhaltsame und frische Superheldenserie, die man auch kurz nacheinander zweimal bingen kann.
Sehr beeindruckend fand ich die Animation des Schimpansen. Die Technik schreitet auf diesem Gebiet mit Riesenschritten voran.
Andererseits fand ich die Ganzkörpermaske von Nummer 1 grenzwertig. In Kleidung sieht es sehr gut aus, eben irgendwie komische Proportionen. Mit freiem Oberkörper ist dies für mich hart an der Grenze zum billigen Karnevalskostüm. Nicht darüber, denn ich kann nicht sagen, was konkret stört. Der Gesamteindruck ist für mich ein bisschen merkwürdig. Schauspielerisch gibt es an Tom Hopper in der Rolle nichts auszusetzen.
Wem das Gesicht bekannt vorkommt, ja das ist Dickon Tarly aus Game of Thrones. Ich hab auch einen Moment gebraucht, um die Verbindung herzustellen.
Insgesamt sind die Rollen durchweg sehr gut besetzt und das schauspielerische Niveau ist sehr hoch.
Besonders zu erwähnen sind Robert Sheehan als Klaus und Aidan Gallagher als Number Five.
Sheehan schafft das große Kunststück, die tiefe Verzweiflung einer gehetzten Seele darzustellen und erfassbar zu machen. So sehr, daß man ihm jede einzelne Pille und jeden einzelnen Schuß von Herzen gönnt nachdem man in den ersten Folgen den typischen Junkie auf der Suche nach dem nächsten Rush zu sehen bekam. Dieser Junkie geht nicht weg, er ist immer da, aber im Lauf der Folgen bekommt man immer mehr Einblicke und will ihm schließlich die Nadel reichen und ihn einfach nur im Arm halten. Ganz große Schauspielkunst.
Gallagher setzt meiner Meinung nach noch einen drauf. Ein 16jähriger Junge spielt einen 53jährigen Mann im Körper eines 16jährigen. Und man kauft es ihm in jeder Minute ab. Man sieht genug Szenen des Charakters im korrekten Alter, um zu erkennen daß dieser 16jährige in der Tat eine Seele im Alter von 53 hat. Ich freue mich darauf, mehr von Gallagher zu sehen.
Die Story der ersten Staffel ist voller überraschender Momente und führt sehr gut auf das große Finale hin. Das wiederum macht Lust auf Staffel 2.
Sie wurde in meiner Facebook-Bubble als vorhersehbar bezeichnet. Fand ich nicht, aber ich stehe bei sowas meistens auf dem Schlauch.
Geniessen kann man die Serie meiner Meinung nach trotzdem. Wer Superhelden, kaputte Charaktere, Crime Stories und einen guten Schuß Romantik mag, liegt hier nicht falsch.
Ein exzentrischer Billionär, eine Gruppe exterm unerwartet geborener Kinder und ein Herrenhaus in einer amerikanischen Stadt.
Dazu ein Schimpanse als Faktotum und ein Android als Nanny und fertig ist eine äußerst interessante Mischung von Charakteren.
Glücklicherweise kommt hier noch handwerkliches Können und Telent zum Schreiben dazu.
Daraus wird eine äußerst Unterhaltsame und frische Superheldenserie, die man auch kurz nacheinander zweimal bingen kann.
Sehr beeindruckend fand ich die Animation des Schimpansen. Die Technik schreitet auf diesem Gebiet mit Riesenschritten voran.
Andererseits fand ich die Ganzkörpermaske von Nummer 1 grenzwertig. In Kleidung sieht es sehr gut aus, eben irgendwie komische Proportionen. Mit freiem Oberkörper ist dies für mich hart an der Grenze zum billigen Karnevalskostüm. Nicht darüber, denn ich kann nicht sagen, was konkret stört. Der Gesamteindruck ist für mich ein bisschen merkwürdig. Schauspielerisch gibt es an Tom Hopper in der Rolle nichts auszusetzen.
Wem das Gesicht bekannt vorkommt, ja das ist Dickon Tarly aus Game of Thrones. Ich hab auch einen Moment gebraucht, um die Verbindung herzustellen.
Insgesamt sind die Rollen durchweg sehr gut besetzt und das schauspielerische Niveau ist sehr hoch.
Besonders zu erwähnen sind Robert Sheehan als Klaus und Aidan Gallagher als Number Five.
Sheehan schafft das große Kunststück, die tiefe Verzweiflung einer gehetzten Seele darzustellen und erfassbar zu machen. So sehr, daß man ihm jede einzelne Pille und jeden einzelnen Schuß von Herzen gönnt nachdem man in den ersten Folgen den typischen Junkie auf der Suche nach dem nächsten Rush zu sehen bekam. Dieser Junkie geht nicht weg, er ist immer da, aber im Lauf der Folgen bekommt man immer mehr Einblicke und will ihm schließlich die Nadel reichen und ihn einfach nur im Arm halten. Ganz große Schauspielkunst.
Gallagher setzt meiner Meinung nach noch einen drauf. Ein 16jähriger Junge spielt einen 53jährigen Mann im Körper eines 16jährigen. Und man kauft es ihm in jeder Minute ab. Man sieht genug Szenen des Charakters im korrekten Alter, um zu erkennen daß dieser 16jährige in der Tat eine Seele im Alter von 53 hat. Ich freue mich darauf, mehr von Gallagher zu sehen.
Die Story der ersten Staffel ist voller überraschender Momente und führt sehr gut auf das große Finale hin. Das wiederum macht Lust auf Staffel 2.
Sie wurde in meiner Facebook-Bubble als vorhersehbar bezeichnet. Fand ich nicht, aber ich stehe bei sowas meistens auf dem Schlauch.
Geniessen kann man die Serie meiner Meinung nach trotzdem. Wer Superhelden, kaputte Charaktere, Crime Stories und einen guten Schuß Romantik mag, liegt hier nicht falsch.
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