Mittwoch, 13. März 2019

„Because I bloody well stammer!“


The King’s Speech

George VI von England, Vater der jetzigen Königin Elizabeth, litt unter Stottern und konnte kaum einen Satz herausbringen, ohne auffallend stark zu stottern.

Da durch seine unerwartete Krönung zum König weitere Reden in seiner Zukunft zu erwarten sind, wendet er sich an den Sprachtrainer Lionel Logue. Seine bisher behandelnden Ärzte wussten kaum bessere Ratschläge als Zigarettenrauchen, um die Halsmuskulatur zu entspannen.

Logues unkonventionelle Herangehensweise schreckt den künftigen Monarchen zunächst ab, zeigt aber schnell erste Erfolge.

Letztlich kommt zwar keine schnelle und komplette Heilung zu Stande, es entwickelt sich jedoch eine Freundschaft zwischen den beiden Männern die ihr Leben lang halten wird.

Queen Elizbeth, The Queen Mother, hatte sich zeitlebens dagegen gewehrt, daß der Stoff verfilmt wird, bzw. gebeten, damit bis nach ihrem Tod zu warten. Einerseits verständlich, andererseits wie ich finde unbegründet. Die Darstellung der historischen Figuren kann nicht anders als liebevoll bezeichnet werden.

Sicherlich mit einiger künstlerischen Freiheit und allzu kontroverse Themen meidend. Edward VIII und seine Liebe Wallis Simpson werden, um des dramatischen Effekts Willen, feindseliger dargestellt, als sie es tatsächlich waren und die Nähe Edwards zu den Nazis wurde komplett ausgeblendet, aber es geht ohnehin hauptsächlich um George VI und Lionel.

Zwischen diesen beiden, beide Rollen hervorragend dargestellt von Colin Firth als George und Geoffrey Rush als Lionel, wirkt der Film streckenweise wie ein Kammerspiel mit zwei Personen. In der Tat hätte der Film auch als solches funktioniert. Aber auf Helena Bonham Carter als Queen Elizabeth z. B. würde man sicher nicht verzichten wollen.

Colin Firth spielt den stotternden König unverkrampft und mit einer Leichtigkeit, die grade den Sprachfehler sehr realistisch wirken lässt. Fast schon Method-Acting. Und in der Tat hat Firth später in einem Interview gesagt, er hätte danach einige Zeit sehr konzentriert sprechen müssen, um nicht auch privat ins Stottern zu verfallen.

Bei Geoffrey Rush kann man die schauspielerische Qualität nicht zuletzt daran messen, wie sehr sich sein Lionel Logue von seinen anderen Charakteren unterscheidet. Wenn man, trotz einem sehr markanten Gesicht, nachschlagen muss, um die Verbindung zu Captain Barbossa herzustellen, spricht das eindeutig für die Leistung.

Bei diesem Film verbietet es sich gradezu, eine snyhronisierte Fassung anzusehen. Colin Firth im Original mit seiner eigenen Stimme ist immer wieder ein Genuß, und diesem sollte man sich insbesondere hier nicht entgehen lassen.

Auch optisch ist der Film ein Leckerbissen. Die Atmosphäre Englands zwischen den Weltkriegen wird kunstvoll dargestellt. Ein sehr eindrucksvoller Kniff ist es, den König bei der ersten Sitzung bei Logue in einer Totale ganz am Bildschirmrand, an eine Sofalehne gedrückt, mit geschlossener Körpersprache zu zeigen, eindrucksvoll die Eingrenzung durch den übermächtigen Sprachfehler zeigend.

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