Dienstag, 19. März 2019

Gib der Welt ein freundliches „Fick Dich!“


Es gibt ein geflügeltes Wort unter Schauspielern, daß die Komödie viel schwieriger zu spielen sei, als die Tragödie, weil es viel mehr auf das Timing ankommt.

Wenn also ein sehr guter Komödiant ins ernste Fach wechselt, sollte man sich das tunlichst nicht entgehen lassen.

Ricky Gervais, der unter anderem „The Office“, also das britische Original von „Stromberg“ geschrieben hat, hat nun gewechselt und mit der Netflix-Serie „After Life“ etwas Großes geschaffen.

Gervais spielt Tony Johnson, einen Redakteur einer kleinen Lokalzeitung, dessen Frau vor Kurzem an Krebs verstorben ist und der nun allein und deprimiert in seinem Haus sitzt und zunächst nur von der Sorge um seinen Hund vom Selbstmord abgehalten wird.

So entschließt er sich, die Welt für die Ungerechtigkeit (den Tod seiner über alles geliebten Frau) zu bestrafen, indem er tut und vor allem sagt, was immer er will. Er betrachtet dies als eine Art Superkraft, denn nichts kann ihm etwas anhaben und letztlich bleibt immer noch der Selbstmord, wenn nichts Anderes mehr geht.

Zwischen seinen Begegnungen mit allen möglichen skurrilen Personen kommt immer wieder seine Frau zu Wort in Form eines Videos, was sie vor ihrem Tod aufgezeichnet hat. Hier gibt sie ihrem Mann wertvolle Tipps für seinen Alltag. Sie weiß eben, daß er wie jeder Ehemann, alleine nicht mehr zurechtkommt und daran erinnert werden muss, Hundefutter zu kaufen und das Geschirr zu spülen.

Sein Umfeld begegnet ihm teils hilflos (seine Kollegen), teils naiv (sein kleiner Neffe) und teils ehrlich bemüht, ihn wieder aufzubauen (sein Schwager, gleichzeitig sein Chef, der neben dem Verlust seiner Schwester auch eine Ehekrise bewältigen muss).

Dazwischen skurrile britische Kleinstadtgestalten, die im Rahmen seiner Tätigkeit trifft. Leute, die alles tun um einmal in der Zeitung stehen. Zum Beispiel ein Ehepaar, das behauptet, ihr Kind sehe aus wie Hitler. An der gnadenlosen Haltung Johnsons scheitert dies. „Sie haben Ihr Kind wie Hitler angezogen und ihm einen Bart aufgemalt!“

Letztlich sieht Johnson jedoch ein, daß Misanthropie nicht der einzige Weg ist, mit dem Leben klarzukommen.

Die erste Staffel ist so gut abgerundet und erzählt, daß man sich fragt, ob eine zweite wirklich Sinn macht. Bislang gibt es keine Ankündigung dazu und es wäre auch OK, das so stehenzulassen.

Fazit: absolut sehenswert!

“And don’t forget to feed the dog.”

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