Dienstag, 15. Juli 2014

Bis nichts mehr bleibt

Ein krasser Film über eine Familie, die von Scientology zerrissen wird. Die Rahmenhandlung ist ein Unterhaltsprozess um Sarah, die Tochter von Frank und Gine. Frank ist während seines Studiums in die Fänge von Scientology geraten und hat Gine mit in die Sekte gezogen. Zunächst überwiegen die Erfolge und Frank gewinnt Stärke und Selbstbewußtsein. Als Gine in der Sekte schneller aufsteigt (die Brücke zur Freiheit voran) entstehen erste Spannungen und Frank gerät in einen Teufelskreis, einerseits muss er immer mehr Geld für Scientology-Kurse aufbringen, andererseits hat er vor lauter Kursen kaum noch Zeit, zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Diese Seite der Geschichte ist sehr subtil dargestellt, durch die immer kleiner werdenden Autos, die der Familie zur Verfügung stehen, bis es schließlich nur noch für ein Fahrrad reicht.
Die wunderbare Schauspielerriege schafft es sehr gut, die Beklemmungen und die Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber den menschenverachtenden Methoden der Sekte darzustellen, die auch vor den Kindern nicht haltmacht. Kinder sind die unfertigen Körpermaschinen für Thetanen und haben nur aufzuwachsen. Spielen, Spaß, erleben ist nicht vorgesehen.
Der Film endet beklemmend, es gelingt Frank, inzwischen der Sekte entkommen, nicht die Erziehungsberechtigung für seine Tochter zu erhalten und seine Frau und seine Tochter verschwinden aus seinem Leben und in die Arme der Sekte.
Wie sehr diese Sekte in der Gesellschaft hinter den Kulissen die Fäden zieht zeigt sich an der Tatsache, daß bei der Entwicklung und Aufnahme des Films so lange wie möglich das Thema Scientology aus Angst vor Übergriffen geheimgehalten wurde. Das Projekt lief als Tatort-Produktion unter dem Titel "Der Tote im Sund".
Der Sekte gehört das Handwerk gelegt. Hier ist ein riesiger Sumpf, der trockengelegt werden muss.

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