Filme zu Büchern. Schwieriges Thema. Kann sehr gut sein, kann voll in die Hose gehen. Das Buch "Der Medicus" von Noah Gordon fand ich sehr gut und ich war sehr erfreut, als eine Verfilmung angekündigt wurde. Auch die Besetzung des Ibn Sina mit Sir Ben Kingsley fand ich gut gewählt.
Nun habe ich den Film gesehen. Es ist nettes Popcorn-Kino zum Zeitvertreib. Werktreue ist ein Konzept, das die Macher scheinbar nicht sehr gut verstanden haben. Abgesehen vom Plot "englischer Baderchirurg geht nach Isfahan, um Medizin bei Avicenna zu studieren" ist nicht viel übrig geblieben. Ich hatte mich auf den Charakter des Baders gefreut - Fehlanzeige. Mary Cullen - komplett entfernt. Das Verhältnis zu Ala Schah - verstümmelt. Die Ignoranz der Standeskollegen in England nach der Rückkehr - nicht vorhanden.
Zwei meiner größten Kritikpunkte: die Szene nach dem überstandenen Sandsturm auf dem Weg nach Isfahan. Rob, schon in der Verkleidung des Juden, dankt Jesus Christus für die Rettung und wird dabei von einem Juden beobachtet und befragt. Durch Kameraführung und Schnitt wird angedeutet, daß der besagte Jude nicht überlebt hat und Rob ihn zum Schutz seines Geheimnisses getötet hat. Krasse Abweichung vom Charakter des Rob, wie er im Buch dargestellt wird.
Sir Ben Kingsley. Sicherlich ein guter Schauspieler und großartig als Itzak Stern in Schindlers Liste und als Mandarin. Hier scheint er den Riemen lustlos runterzuspielen. Kein Zauber, kein Hauch der Persönlichkeit des Avicenna, so wie sie im Buch dargestellt wurde.
Alles in Allem: kann man mal sehen, aber das Buch gibt einem Mehr.
Stimme Dir total zu! Der Film an sich ist ja nicht schlecht, das Problem ist eben, wenn man die Buchvorlage kennt, die schlicht und einfach genial ist. Ich habe nichts gegen Kürzungen, aber massive Änderungen sind schon traurig. Besonders ärgerlich sind Änderungen von Dingen, die die Seele des Buchs ausgemacht haben. Zugegeben, es gibt 2 Änderungen, die mir sehr gut gefallen haben, die aber die locker drei Dutzend Änderungen, die mir nicht gefallen haben, einfach nicht aufwiegen können. Zu Kingsley sei gesagt, daß er eigentlich wirklich eine Idealbesetzung war, aber wie Du zurecht feststelltest, zuweilen etwas unemotional rüberkommt. Der restliche Cast ist ganz okay, wenngleich ein etwas prominenterer Schauspieler für den Protagonisten wünschenswert gewesen wäre.
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